Kühlendes Grün statt heißer ,Steinwüste‘

Temperaturmessungen haben mich überzeugt, dass wir alles daran setzen müssen, so wenig Bodenfläche wie möglich mit Beton, Steinen und Platten ,zuzupflastern‘, weil wir damit unsere Umgebung in eine Hitze-Wüste verwandeln: Wir haben bei einer Lufttemperatur von 33°C mit einem Spezialgerät die Boden-Temperatur auf einer verfliesten Terrasse im Schatten eines hellen Sonnenschirmes gemessen (38,7 °C) und einige Meter daneben auf einem ebenfalls schattigen Wiesenboden (27,8°C) und konnten einen Temperaturunterschied von 10,9 Grad C feststellen. Ein Unterschied von 39,21 Prozent!

Die Diskussion unter den Gartenbesitzern ist ebenso heiß wie die Hitzetage selbst – pro und contra ,Steingarten’: Kies- und Schotterbeete sind modern, werden als ,arbeitssparend’ gelobt und sind ,cool’ – aber leider keinesfalls kühl.

Denn für eine ,Kühlleistung’ ist es notwendig, dass Wasser aus einem Boden oder aus Pflanzen (Blättern) verdunstet – das ist ja auch das ,Geheimnis’ der kühlenden Bäume: Große Kronen mit vielen Blättern und damit großer ,Verdunstungsoberfläche’. Nadelbäume können das nicht so gut, weil die ,Blattoberfläche’ wesentlich kleiner ist.

 

Ein Naturboden heizt sich wenig auf und erzeugt durch Verdunstung von Wasser aus Boden und Pflanzen einen angenehmen Kühleffekt 

Aus Naturböden mit oder ohne Bewuchs verdunstet ebenfalls Wasser und durch diese sogenannte Evaporation entsteht Verdunstungskälte, die die Lufttemperatur darüber geringer hält. Neben der Kühlleistung durch das im Boden gespeicherte Wasser erbringen zusätzlich noch (bodennahe) Pflanzen, wie z. B. eine Wiese mit der Vielzahl an Grashalmen, eine weitere Kühlleistung durch sogenannte Transpiration.

All dies bringen eben Schotterbeete und Betonplatten nicht. Im Gegenteil: Die Steinmasse heizt sich in der Sonne bis zu 70°C auf (und noch höher, wenn schwarze Steine verwendet werden), speichert diese Hitze und gibt sie später wieder ab. Ein Kiesbeet wird damit regelrecht zur ,Heizdecke’.

Es dauert höchstens ein Jahr, bis sich auch bei nach unten ,versiegelten’ Schotterbeeten das erste Unkraut zwischen den Steinen zeigt, das man meist nur schwer und kaum nachhaltig entfernen kann. 

Noch etwas: Die Hoffnung, dass Kiesbeete besonders arbeitssparend sind, erfüllt sich leider nicht, wenn man nicht den Unterbau zusätzlich gegen Unkrautwuchs ,versiegelt’. Und selbst dann, dauert es meist nur ein Jahr, bevor Samen, die sich zwischen den Steinfugen ,gefangen’ haben, munter sprießen.
Eine Blumenwiese mit niedrig wachsenden bodendeckenden Pflanzen, die nur selten gemäht werden muss, macht kaum Arbeit, ist auf jeden Fall bunter – und bringt ersehnte Abkühlung an heißen Tagen. 

 

Gelsenjagd mit Blumen und Kräutern

Warum gerade ich so häufig von Gelsen und Bremsen gestochen werde, habe ich erst kürzlich aus einer japanischen Studie erfahren: Diese Stechmücken ,fliegen’ regelrecht auf Menschen, die die Blutgruppe 0 haben!

Und jetzt ist mir auch klar, dass ich die ,Gelsenempfindlichkeit’ schlechtweg geerbt habe: Auch mein Vater hatte Blutgruppe 0 und wurde von den Stechbiestern regelrecht verfolgt …

Da ich nicht viel davon halte, in meinem Garten mit der ,Giftspritze’ herumzulaufen, andererseits aber auch gerne einige Mußestunden ohne Belästigung durch ein Mückengeschwader genießen möchte, habe ich nach einer Bio-Lösung gesucht.

Resultat: Gelsenjagd mit Hilfe von duftenden Blumen und Kräutern! Viele Stechmücken mögen zitronige Düfte nicht, wenig beliebt bei Gelsen sind auch Minzen, Rosmarin, Thymian und Lavendel. Auch Basilikum kann helfen, ebenso wie Paradeiserpflanzen.
In Hinblick auf Knoblauch habe ich bisher auf alle Versuche verzichtet, da diese Gewürzpflanze zwar – zart dosiert – in gewissen Speisen durchaus bereichernd ist, ich mich jedoch beim Relaxen nicht wie in einer Küche fühlen möchte.

Zarte Dosierungen der Düfte sind im Kampf gegen Gelsen nämlich nicht angebracht. Es braucht schon einen ordentlichen Pflanzen-Schutzwall rund um den Sitz- oder Liegeplatz im Garten, damit eine Wirkung eintritt. Mit einem Rosmarinpflanzerl oder einem kleinen Lavendelbusch ist es nicht getan!

Außerdem habe ich herausgefunden, dass es die Vielfalt der ,Schutzpflanzen’ ausmacht, da unsere Körperausdünstungen, durch die die lästigen Stechmücken angelockt werden, nicht immer gleich sind und durch die Düfte der Pflanzen gegen Gelsen & Co ,breitbandig’ überlagert werden müssen. Nur so kann es nämlich mit dieser Bio-Methode funktionieren.

Im Klartext: Es braucht von jeder Pflanze mehrere Stück in entsprechender Größe, weshalb es auch sinnvoll ist, auf mehrjährige (winterharte) Pflanzen zu setzen, damit man nicht jedes Jahr ganz klein wieder beginnen muss. 

Der Duft von Zitronenthymian ist für uns angenehm, Gelsen
kann man damit verjagen …

Welche Pflanzen eignen sich?

  • Kräuter: Rosmarin, Thymian, Pfefferminze, Lavendel, Salbei und Zitronenmelisse und andere Kräuter mit zitronigen Düften.
  • Paradeiser
  • Katzenminze enthält Nepetalacton, ein in Pflanzen vorkommendes Insekten-Repellent gegen Pflanzenfraß, durch das Mücken ,verscheucht’ werden. Aber Achtung: Katzen lieben diesen Duft und werden dadurch angelockt!
  • Sehr hübsch und wirksam ist die lila blühende Moskitopflanze (Agastache cana), deren Blätter ähnlich wie Orangenthymian duften.
  • Auch die leuchtend orange blühende Studentenblume (Tagetes) soll Stechmücken abwehren.

… ebenso wie mit der Moskitopflanze oder der herrlich goldgelb blühenden Studentenblume.

Klar ist mir auch geworden, dass wir mit diesen Maßnahmen die Stechmücken nur temporär von unserem Oasen-Platz fernhalten können. Wenn wir die kleinen Biester nachhaltig ohne Gift reduzieren wollen, brauchen wir die Hilfe unserer gefiederten Freunde, der Vögel. Aber das ist eine andere Geschichte …

 

Heilende Wirkungen von Farben

 „Farbe ist der Ort, wo unser Gehirn und das Weltall sich begegnen“, sagte einst der für seine meist farbintensiven Landschaftsbilder berühmte französische Maler Paul Cèzanne. Damit könnte er auf die nach seiner Meinung besondere Wirkung von Farben auf die menschliche Psyche angespielt haben.

 

Dass Farben zumindest auf unseren Gemütszustand (und in weiterer Folge davon auch auf unser körperliches Wohlbefinden) einen wesentlichen Einfluss haben, ist heute unbestritten. Wie genau diese ,Farbbeeinflussung‘ funktioniert ist jedoch bis heute noch nicht ganz geklärt und Gegenstand intensiver Forschungen. Parallel dazu haben sich die verschiedensten Formen von ,Farbtherapien‘ entwickelt, die auf Erfahrungswerten beruhen.

Für die Einrichtung eines ,funktionellen‘ Duftgartens haben diese Erfahrungswerte insofern Bedeutung, als es sinnvoll erscheint, nicht nur auf die psychische Wirkung der ätherischen Öle zu achten, die von den Duftpflanzen freigesetzt werden, sondern auch auf die Farben der Blüten dieser Pflanzen. Durch deren intensives und längeres Betrachten können nämlich positiv-ergänzende, möglicherweise aber auch negativ-entgegenwirkende Effekte erzielt werden.

Beispiel: Die Farbe Blau steht für Entspannung, Ruhe und Gelassenheit, während die Farbe Rot mit Tatendrang, Leidenschaft und Anregung verbunden wird. Richtet man sich also eine kleine ,beruhigende‘ Duftoase ein, macht es Sinn, vor allem blau und violett blühende Pflanzen zur Unterstützung zu wählen und rote Blüten zu vermeiden, da diese die beruhigende Wirkung verringern können. 

Welche Farbe wofür?

Nach gegenwärtigem Stand der Wissenschaft können mit Farben keine medizinisch relevanten Heilwirkungen, sondern nur unterstützende Wirkungen bei ärztlichen Therapien erzielt werden. Oder aber Wirkungen, die das persönliche Wohlgefühl unterstützen. 

Die Farbe Blau/Violett

steht dabei für Entspannung, Gelassenheit, Beruhigung der Nerven und wird eingesetzt bei Stress, Nervosität, Angst- und Unruhezuständen sowie bei Schlafproblemen.

Die Farbe Rot

im Gegensatz dazu bei Müdigkeit und Lethargie, mangelndem Selbstbewusstsein und fehlender Durchsetzungsfähigkeit sowie als ,Kick‘ bei Minderwertigkeitsgefühlen.

Die Farbe Gelb/Orange

wirkt aufbauend bei Ängsten, nervöser Erschöpfung, Mutlosigkeit und Unlustgefühlen, ist stimmungsaufhellend, konzentrationsfördernd, kommunikationsunterstützend und kann die Sexualität beeinflussen. Diese Farbe steht für Licht, Offenheit und Frische.

Die Farbe Grün

steht für Entspannung, Harmonie und Wachstum, wirkt nervenberuhigend und unterstützt das Immunsystem und die Kreativität. Dass diese Farbe auch blutdruckregulierend wirken kann und positiven Einfluss bei Schlafstörungen, Nervosität und Gereiztheit hat, wurde bei zahlreichen Studien zum Thema ,Waldbaden‘ (= längere Spaziergänge und Aufenthalte im Wald) erkannt.

Es liegt also nahe, dass wir auch bei der Bepflanzung unseres Gartens, aber auch unserer Balkone und Terrassen darauf achten, welche Blütenfarben uns in unserer speziellen Situation besonders guttun können.

 

Bunter Duftrasen statt grüner ,Glatze‘

„Die Leute wollen immer eine sterile grüne Glatze“ empört sich Naturgärtner Günter H. respektlos über seine Kunden – und möchte daher nicht mit vollem Namen zitiert werden.

 
Mit grüner ,Glatze‘ meint er den klassischen ,englischen‘ Rasen, in den sich kein anderes Pflänzchen ,verirren‘ darf und der regelmäßig ganz kurz ,geschoren‘, mehrmals vertikutiert und gedüngt sowie regelmäßig bewässert werden muss.

„Dabei gibt es so viele Möglichkeiten, mit einem herrlich bunten Blüten-Duftrasen nicht nur für das eigene Wohlbefinden viel zu tun, sondern auch den Bienen Nahrung zu bieten und auch etwas fürs Klima zu machen“, schwärmt Günter H. für mehr Vielfalt im Garten.

Kein Leben im ,Fußballfeld‘

Und weiter: „Die Leute plagen sich das ganze Jahr über mit dem Gras herum, nur damit es so steril aussieht wie auf einem Fußballfeld oder einem Golfplatz! Da werden Unmengen von Samen und Chemie verbraucht, jedes fremde Pflanzerl wird akribisch ausgerissen oder ausgestochen und die Mäher sind im Dauereinsatz. Und trotz all dem Aufwand sind die Leute oft enttäuscht …“.

 

Viel Arbeit für eine ,sterile‘ Rasenfläche ohne Leben

Nicht übersehen sollte man auch die Kosten für diese ,Aktion Rasen‘: Wenn heiße Sommerperioden sind, muss so ein Rasen täglich bewässert werden – für all jene, die keinen eigenen Brunnen haben, geht das mit der Zeit ganz schön ins Geld. Und noch dazu verdunstet das teure Wasser bei Sonneneinstahlung ganz schnell, ohne dass sich ein positiver Abkühl-Effekt einstellt. Im Gegensatz dazu bringt eine Wiese mit geschlossener ,Blattoberfläche‘ von vielen verschiedenen Pflanzen einen deutlichen Kühleffekt – und dazu noch einen angenehmen Duft.

Futter für Bienen und Vögel

Es freuen sich über einen solchen blühenden Duftrasen-Teppich aber nicht nur Bienen und bunte Schmetterlinge, auch viele Vögel siedeln sich gerne in solch einer Umgebung an, da sie zwischen den Blättern und auf der Bodenoberfläche eine Menge Futter finden und es uns mit fröhlichem Gesang danken.

Eine herrliche – durchaus begehbare! – Oase können wir uns auf diese Weise schaffen, die uns Entspannung und Wohlbefinden bringt. Angenehmer Nebeneffekt: Von den zahlreichen Kräutern, die hier wachsen, können viele auch gepflückt und für Küche und Kosmetik verwendet werden.

A propos Entspannung: Ein bunter Duftrasen spart uns eine Menge Arbeit, da nicht gedüngt, kaum gegossen und nur ganz selten gemäht werden muss! 

Anlage eines Duftrasens

Ich habe mich übrigens von meinem Interviewpartner Günter H. überzeugen lassen und nach einigen weiteren Recherchen entschlossen, in meinem Garten den bisherigen ,Rasen‘ durch einen Duftrasen zu ersetzen, da sich ohnehin schon zahlreiche ,Fremdpflanzen‘, wie zum Beispiel Winterling, Gewöhnlicher Gundermann, Kriechender Günsel, Scharfer Hahnenfuß und Unmengen von Gänseblümchen eingenistet haben, die ein herrlich buntes Frühlings-Blütenbild machen.

Und dabei bin ich einen recht unkonventionellen Weg gegangen, von dem ich euch demnächst berichten werde …

 

Duftbad im Fliedermeer

Es ist ein wunderbar romantischer ,verzauberter’ Ort mitten im modernen Häusermeer der Stadt Wien. Nie hätte ich vermutet, dass wir hier so ein herrliches Farb- und Dufterlebnis genießen können: Dieser magische Ort ist der älteste Biedermeier-Friedhof von Wien, der heute unter Denkmalschutz steht und von der Stadt Wien als öffentlich zugängliche Parkanlage gepflegt wird (nähere Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt_Marxer_Fiedhof).

 

Der geniale Komponist Wolfgang Amadeus Mozart wurde hier in einem ,einfachen’ Grab zur Ruhe gebettet, wo dieses Grab allerdings genau war, konnte später nicht mehr festgestellt werden. Heute gibt es eine ,Grabstelle’ als Touristenattraktion, wegen der man allerdings nicht zum St. Marxer Friedhof fahren muss …

Sehr wohl lohnt sich allerdings ein kleiner Frühlingsausflug Anfang Mai, wenn der Flieder aufblüht. Ein Erlebnis, das mich berührt und beeindruckt hat: Unzählige, mehrere Meter hohe Fliederbüsche bilden eine romantisch-verwunschene Einheit mit uralten verwitterten Grabsteinen, weißer Flieder wechselt mit mehrheitlich hell- bis dunkellila Fliederblüten, die in ,kuscheligen Pflanzenzimmern’ einen betörenden Duft verströmen. Trotz nicht allzu angenehmer Temperatur wurde uns Lebensgärtnern richtig warm ums Herz und wir konnten spüren: Jetzt ist Frühling!

Ein Ausflug für alle, die in oder in der Nähe von Wien wohnen, lohnt sich jetzt zum Friedhof St. Marx, wo zwischen verwitterten Grabsteinen tausende Flieder-Blütenrispen leuchten und betörend duften.

Auch die Bienen freuen sich über die üppige Blütenpracht.

Übrigens: Den vom französischen Pflanzenzüchter Victor Lemoine hervorgebrachten und nach seiner Schwiegertochter benannten Flieder ,Madame Lemoine’ (siehe auch unseren Bericht
,Der Duft von Madame’) haben wir nicht gefunden, was den Genuss unseres Duftbades im Fliedermeer allerdings nicht geschmälert hat …

Gärtnerische Daten:

Name: Flieder — Syringa
gehört zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae).
Außer dem gemeinen Flieder (Syringa vulgaris) gibt es noch etwa 25 verschiedene Arten und sehr viele verschiedene Spezialzüchtungen, die sich in Wuchsform, Blütezeit, Blütenfarbe und Blütenform sowie Duftintensität unterscheiden.

Blütezeit: Mai-Juni
Standort/Boden: bevorzugt Sonne, dankt es durch reichlich Blüten /durchlässiger, nährstoffreicher Gartenboden
Lebenszyklus: mehrjährig, gut winterhart, die meisten Sorten windverträglich