Auf dein Wohl, Ernest …

Ich spüre die karibische Sonne auf der Haut, heißen Sand unter den Füßen und höre das Rauschen des Meeres. In meiner Hand ein kühles Glas. Langsam öffne ich die Augen …

… und sehe von meiner Terrasse aus, wie sich in meinem Garten zwei Eichhörnchen ein Wettrennen liefern und der Nachbar den Rasenmäher in die Poleposition zum Mähen bringt. Die Realität hat mich wieder. Aber das Glas in meiner Hand kühlt mich tatsächlich und der Drink darin verzaubert mich immer wieder. Der Drink: herrlich erfrischender Mojito (= kleiner Zauber), mit Hemingway-Minze gemixt. Man kann aber auch andere Minzblätter verwenden, die nicht zu viel Menthol enthalten, weil zu viel Menthol die Geschmacksnerven betäubt.

 

Hemingway für Mojito

Mojito- oder Hemingway-Minze (Mentha species nemorosa) ist die perfekte Zutat für den berühmten kubanischen Cocktail, da sie sehr aromatisch ist und weniger Menthol enthält als andere Minzearten. Dadurch schmeckt der Drink, den sich der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway (1899-1961) angeblich täglich gönnte, besonders frisch und spritzig. Und noch heute wird der Mojito in Hemingways Stammbar ,Floridita’ in Havanna auf Kuba und in ,Sloppy Joe’s Bar’ in Key West (Florida/USA) so serviert.

 

Hemingway-Minze wächst gut im Beet oder im Topf an einem sonnigen Standort mit feuchtem Boden. Sie ist winterhart und blüht im Hochsommer weiß oder zartrosa. Die Blätter können ganzjährig geerntet werden.

 

So mixe ich meinen Mojito

Für 1 Glas eine Limette (unbehandelt) waschen, der Länge nach vierteln und die Spalten in kleine Stücke schneiden. 1-2 Kaffeelöffel Rohrzucker beifügen und die Limettenstücke mit dem Stößel eines kleinen Mörsers oder mit dem Rücken eines Kaffeelöffels zerdrücken.
6-7 große Blätter Mojitominze klein schneiden, dazugeben und alles weiter zerdrücken, damit die ätherischen Öle der Minze frei gegeben werden.
6 cl weißen kubanischen Rum (Havana Club) dazugießen, 3-4 Eiswürfel dazugeben, alles gut verrühren und mit einem Schuss Sodawasser aufspritzen. Zum Schluss 1-2 Blätter Mojito-Minze als Deko und einen Trinkhalm ins Glas stecken.

Und jetzt mache ich es mir mit einem guten Buch auf meiner Terrasse gemütlich und trinke auf dein Wohl, Ernest …

 

Duftkräuter für die Sommerküche

Immer werden mir die herrlich flaumigen Gnocchi, übergossen mit duftender Salbeibutter, in Erinnerung bleiben, die ,Mamma Grillo’ in ihrer Strandbar zu Mittag servierte.

Mein italienischer Studienkollege Carlo hatte mich gegen Ende unseres Studiums eingeladen, einige Tage unserer Sommerferien in seiner Heimat, den ,Marken’, am Meer zu verbringen.
,Mamma Grillo’ – so genannt nach ihrem Lokal ,Il Grillo’ – war in dem kleinen Ort, in dem die Zeit stehen geblieben schien, berühmt für ihre Kochkünste.

 

Kochen ist keine Hexerei

Darauf angesprochen, erwiderte sie meist nur: „Kochen ist keine Hexerei, man muss nur für jede Speise das richtige Kraut verwenden.“
Und schon brachte sie als ,Secondo’ einen wunderbar zarten Schweinsbraten, mit würzigem, herrlich duftendem Rosmarin oder knusprig gebratenes Huhn mit Oliven und ebenfalls sehr aromatischem Rosmarin zum Tisch.

,Mamma Grillo’ war der Meinung, dass man gar nicht schlecht kochen konnte, wenn man einen kleinen Garten vor der Tür hatte, in dem Basilikum, Thymian, Minze, Melisse, Salbei, Rosmarin und Lavendel wuchsen.

Kräuter möglichst in Küchennähe

Natürlich hatte sie recht. Ich weiß aus eigener Erfahrung: Je näher die Kräuter zur Küche, umso häufiger verwendet man sie. Ein Grund mehr, Küchenkräuter am Balkon oder auf der Terrasse zu ziehen, wo sie meist ausgezeichnet gedeihen.

Am besten umtopfen

Und so kann man Kräuter möglichst lang genießen: Im Topf gekaufte Kräuter am besten gleich umtopfen und dabei darauf achten, dass der neue Topf etwas größer ist, damit die Pflanze genügend Platz zum Wachsen hat. Außerdem sollte ein Loch im Topfboden sein, damit überschüssiges Wasser abfließen kann, denn Kräuter mögen keine Staunässe.

Beim Umtopfen die Pflanze vorsichtig aus dem Töpfchen lösen, den Wurzelballen unten etwas auseinanderreißen, etwa ein Viertel der Erde entfernen, den neuen Topf mit etwas Pflanz- oder Kräutererde befüllen, die Kräuter so tief hineinsetzen, dass noch etwa 2 cm Gießrand bleiben und rundum mit der Erde auffüllen. Erde etwas andrücken und Pflanze gleich kräftig gießen. 

Vorsicht beim Gießen

Mediterrane Duftpflanzen und Kräuter, wie Lavendel, Rosmarin und Salbei, lieben die Sonne und benötigen nicht täglich Wasser. In weiterer Folge daher am besten mit den Fingern testen, ob die Erde im Topf trocken ist und erst dann gießen.

 

Basilikum und Minze sind keine ,freundlichen’ Nachbarn.

Und da nicht jedes Duftkraut gleich viel Wasser benötigt, unterschiedliche Kräuter nicht zusammen in einen Topf setzen.
So verträgt sich z.B. Minze nicht gut mit Basilikum. Grundsätzlich geht man überhaupt davon aus, dass man einjährige und mehrjährige Kräuter nicht in einem Gefäß kultivieren soll.

Da fällt mir wieder die einzigartige ,Mamma Grillo’ ein, die für ihre legendären ,Dolce’ herrlich duftende Lavendelblüten verwendete und keine Diskussion zuließ, ob man vor dem Espresso noch ein ,Dolce’ bestellte. Man hatte lediglich die Wahl zwischen ihrem Marillenkuchen mit Lavendelblüten und dem sanft auf der Zunge schmelzenden Lavendeleis …

 

Duftende ,Beetmauer‘ gegen Schnecken

Meine Freundin Monika haben sie fast in den Wahnsinn getrieben: Schnecken! Sie kamen in Scharen und haben ihre liebevoll angelegten Blumen- und Gemüsebeete leergefressen.

Monika hat versucht, mit bekannten Hausmitteln, wie Kaffeesud und Eierschalen, der Schneckenplage Herr zu werden. Der Erfolg war allerdings nur mäßig.

Aber dann gab ihr eine alte Bäuerin in der Steiermark den entscheidenden Rat.

 

Mediterrane Duftpflanzen

Ganz im Gegensatz zu uns Menschen, mögen Schnecken mediterrane Duftpflanzen und Kräuter, wie Lavendel, Rosmarin und Thymian, gar nicht.

 

Thymian blüht und duftet herrlich und hilft gegen
die Nacktschnecken-Invasion.

Monika hat daraufhin Thymian und Rosmarin ringförmig als duftende ,Beetmauer‘ um ihren Salat und ihr Gemüse gepflanzt und – siehe da – die Schnecken pflegten plötzlich ein distanziertes Verhältnis zu ihren Pflanzen.

Hausmittel Minze

Da das Frühjahr heuer besonders feucht und regnerisch ist – Wetterbedingungen, die Schnecken lieben – will Monika in den kommenden Wochen zusätzlich noch ein altes Hausmittel gegen Schnecken erproben: Sie wird getrocknete Minzeblätter rund um ihr Salatbeet streuen.

Natürliche ,Feinde‘ von Wegschnecken: Igel …

Tierische ,Schneckenjäger‘

Ich persönlich habe in meinem Garten zum Glück keine große Schneckenplage. Möglicherweise deshalb, weil sich tierische ,Schneckenjäger‘, wie Igel und Spitzmaus, in meinem Garten mit kleinen Laubhaufen und etwas Totholz, in denen sie Unterschlupf finden, besonders wohl fühlen.

… und vielleicht auch duftende Ringelblumen.

Vielleicht hängt es aber auch ein wenig damit zusammen, dass ich jedes Jahr Ringelblumen aussäe, weil mir die herrlich orangen Blüten so gut gefallen, an denen sich auch die Bienen erfreuen und deren Duft angeblich die Schnecken meiden …

Außerdem gieße ich nicht abends, sondern in den Morgenstunden. So trocknet die Oberfläche des Rasens und der Beete tagsüber ab. Machen sich die Schnecken in der Abenddämmerung dann auf den Weg, wird ihnen die Fortbewegeng durch den trockenen Boden erschwert.

Mittlerweile kann Monika schon fast wieder lachen, wenn sie an die Schneckenplage der vergangenen Jahre denkt, als sie diese schleimigen Quälgeister bis in ihre Träume verfolgt haben.

Gesangsbuch mit Dufteinlage

Das Leben im Mittelalter war von religiösen Zeremonien geprägt. Predigte der Pfarrer lang und war die Müdigkeit groß, gab es bei erfahrenen Kirchgängerinnen einen Geheimtipp, munter zu bleiben …

Die Frauen legten getrocknete, stark duftende Blätter des Marienblattes (Tanacetum balsamita) ins Gesangsbuch, um während der Messe daran zu riechen, falls ihnen während der oft endlos dauernden Liturgie die Augen zufielen. Der Geruch des nach Minze und Kampfer duftenden Marienblattes soll die Kirchenbesucherinnen jedenfalls sofort belebt und mit frischer Energie versorgt haben.

 

Die Spur des ,Bibelblattes‘

Seit ich vor Kurzem das erste Mal von diesem Heilkraut gehört habe, bin ich – neugierig geworden – der Spur dieses ,Bibelblattes‘ gefolgt:
Im Mittelalter in jedem Klostergarten angebaut, wurde die auch als Frauenminze oder Echtes Balsamkraut bezeichnete Duftpflanze als Heilmittel – in Form von Tee oder Umschlägen – bei Husten, Kopfschmerzen, Magen-, Leber- und Menstruationsbeschwerden verwendet.
Die Blätter wurden aber auch zum Aromatisieren von Likör und selbst gebrautem Bier verwendet.

Botanisch zählt das Marienblatt – trotz des minzeartigen Duftes – nicht zu den Minzen, sondern zu den Korbblütlern.

 

Liebt die Sonne

Das Marienblatt ist mehrjährig, liebt durchlässigen Boden und einen sonnigen Standort, blüht meist von Juli bis September und soll sich schnell stark ausbreiten. Die Pflanze wächst im Hochsommer gelegentlich wild am Wegrand, wird aber auch von Gärtnereien angeboten.

Aber Achtung: Diese ,nostalgische‘ Duftpflanze ist bei Schnecken sehr beliebt!

 

Gärtnerische Daten:

Name: Frauenminze/Balsamkraut/Marienkraut (Tanacetum balsamita)
Wuchs: Über Rhizom Ausläufer bildend, 80 bis 150 cm hoch
Blüte: Juli-September, gelb auf doldigen Rispen, stark minz-kampferartig duftend
Standort/Boden: sonnig /frischer bis trockener Boden
Lebenszyklus: mehrjährig, winterhart

 

Gelb macht glücklich

Wenn auf der Fahrt in die Toskana – einer meiner Sehnsuchtslandschaften – am Horizont das erste Sonnenblumenfeld auftaucht, weiß ich, dass ich dem Glück ganz nahe bin.

In strahlendem Gelb wiegen sich die Sonnenblumen im zarten Sommerwind – ihre Köpfe immer der Sonne entgegengestreckt – und verheißen mir wunderbare Urlaubswochen.
Sonnenblumen sind das Symbol des Sommers, sie verkörpern durch ihr kräftiges Gelb die Farbe der Sonne und strahlen Wrme und Heiterkeit aus.

Primeln verleihen neue Energie

Aber auch wenn ich im Frühjahr in meinem Garten die ersten Primeln in zartem Gelb im Gras sehe, spüre ich die Energie, die mir diese Frühlingsboten übermitteln.
Die Farbe ,Gelb‘ wirkt anregend und belebend, sie stimmt heiter, wirkt antidepressiv, fördert die Konzentration und Kreativität und macht einfach fröhlich. So kann ich auch dem Löwenzahn mit seinen kräftig-gelben Blüten nicht ,böse‘ sein, wenn er sich im Sommer in meinem Garten genau dort breit macht, wo er eigentlich nichts verloren hat …

 

Gelbe ,Blumeninseln‘ fördern die Kontakte

Plaudern beim Rosenstrauch

Ist es Zufall, dass ich an warmen Sommerabenden meine Nachbarin gerade dann auf einen kleinen Plausch treffe, wenn sie ihren gelb blühenden Rosenstock gießt?
Vielleicht führt uns die Rose regelmäßig durch ihre Farbe zusammen: Gelb fördert zwischenmenschliche Kontakte und die Kommunikation.

Currykraut & Heiligenkraut zur Entspannung

Gelb blühende Pflanzen können allerdings auch entspannend wirken. Der Duft von Immortelle (Helichrysum italicum), besser bekannt als ,Currykraut‘ und dem ,Grauen Heiligenkraut‘ (Santolina chamaecyparissus) kann Spannungen lösen und nach stressreichen Tagen helfen, loszulassen und das innere Gleichgewicht zu finden.

Nachtkerzen blühen erst am frühen Abend ganz auf und locken mit ihrem fast süßen Duft verschiedene Nachtfalter an – ein ,Duftschauspiel‘ der besonderen Art!

Dufterlebnis Nachtkerze

Neugierig bin ich schon auf das Dufterlebnis der ,Gewöhnlichen Nachtkerze‘ (Oenothera biennis), die ich im Vorjahr gepflanzt habe: Sie ist eine zweijährige Pflanze, die erst im 2. Jahr blüht und ihre gelben Blüten – wie der Name schon vermuten lässt – erst in der Abenddämmerung ganz öffnet und mit ihrem aromatischen Duft Nachtfalter und andere Insekten anlockt.
Auch ich werde mich dann regelmäßig von ihrem Duft betören lassen und anschließend von den herrlichen Sonnenblumenfeldern der Toskana träumen …