Weinreben: Mein persönlicher Jungbrunnen

Ich staunte nicht schlecht, als ein Freund zum Einweihungsfest unseres neuen Hauses statt eines Blumenstraußes einen Rebstock mitbrachte – das war vor mehr als dreißig Jahren. Die Freude darüber war damals auf meiner Seite eher verhalten, da ich durch den neuen ,Gartenbewohner‘ jede Menge Arbeit auf mich zukommen sah. Und davon hatte ich mit einem Haus, das noch den letzten ,Schliff‘ benötigte und einem Garten, der sich noch ziemlich ,ursprünglich‘ zeigte, mehr als genug.

Und ich hatte recht: Rebstöcke (der damals Geschenkte blieb nicht der einzige in meinem Garten) machen Mühe. Aber: Mittlerweile liebe ich diese Arbeit (Vor allem regelmäßiger Rebschnitt ist notwendig, soll der Weinwuchs nicht unkontrolliert ausufern.) und ich möchte die Beschäftigung mit den Rebstöcken auf keinen Fall mehr missen.

Natürlicher Schattenspender

Und auch auf meine Weinlaube, in die ich mich an heißen Tagen zurückziehe, da sie natürlichen Schatten spendet und gleichzeitig Sichtschutz gegenüber den Nachbarn bietet, möchte ich nicht mehr verzichten. Ideal für Lauben sind übrigens sogenannte ,Direktträger‘, Rebstöcke, die nicht veredelt wurden. Sie wachsen nicht nur besonders schnell, sondern sind auch resistent gegenüber der Reblaus und bestimmten Pilzkrankheiten, wie etwa dem ,echten Mehltau‘, der besonders in heißen Sommern viele Weinstöcke befällt.

Power für meine Zellen

Im Herbst kündigt ein unverwechselbarer Duft an, dass die Trauben reif sind und die ,Lese’ unmittelbar bevorsteht. Freunde und Familie freuen sich auf die dunkelroten, aromatischen Beeren, die nicht nur viel Geschmack haben, sondern auch gesund sind. 

Heilpflanze des Jahres 2023

Vor allem die Inhaltsstoffe „Resveratrol“ und „OPC“ (Oligomere Proanthocyanidine) machen Weintrauben so gesund: Sie wirken antioxidativ, beeinflussen die Durchblutung positiv und beugen so Herz- und Kreislauferkrankungen vor, schützen unsere Körperzellen und stärken das Immunsystem. Genügend Gründe, dass die Weinrebe (Vitis vinifera) vom Münchner Naturheilverein ,Theophrastus‘ zur Heilpflanze des Jahres 2023 gewählt wurde. Ich habe deshalb die Weinstöcke in meinem Garten zu meinem ganz persönlichen Jungbrunnen ernannt.

Gärtnerische Daten:

Für die Begrünung von Lauben und Gebäuden eignen sich am besten schnellwachsende, gut winterharte und gegen Krankheiten, wie etwa die Wurzelreblaus oder Pilzkrankheiten (Mehltau), weitgehend resistente Weinreben, wie es verschiedene Uhudler-Sorten sind.

Wichtig sind ein gut sonniger Standort und ein leicht lehmig-sandiger, gut durchlässiger Boden, da die Weinstöcke keine Staunässe vertragen. Außerdem sollte der Boden tiefgründig ohne Hindernisse für die bis in 15 m Tiefe reichenden Wurzeln sein – dies ist wichtig, damit die Pflanzen auch in Trockenzeiten ohne Bewässerung auskommen.

Für die Anlage einer dichten Laube ist zu beachten, dass die Reben in einem Abstand von etwa 1 – 1,5 m gesetzt werden. Trotzdem muss man etwa mit 2 Jahren rechnen, bis die Laube gut verwachsen ist und vollen Schatten spendet.

Wir stellen hier zwei Uhudler-Reben vor, die sich besonders gut für eine Weinlaube eignen, weil sie sehr wuchsstark, robust und weitgehend trockenresistent sind: 

Concordia

Name: Uhudler Concordia – Vitis vinifera Concordia
Familie: Weinrebengewächse – Vitaceae; Gattung Vitis
Wuchs: Mit Sprossranken kletternder Strauch, Zuwachs pro Jahr 1 bis 2,5 m
Blätter: Oberseite tiefgrün, Unterseite rosa bis orange
Blüte: gelb / zwittrig, daher selbstbefruchtend
Standort/Boden: Sonne / durchlässiger sandig-lehmiger Boden, keine Staunässe!
Lebenszyklus: mehrjährig, sehr gut winterhart
Fruchtreife: Mitte September
Wurzelsystem: Tiefwurzler 

Isabella

Name: Uhudler Isabella – Vitis vinifera Isabella
Familie: Weinrebengewächse – Vitaceae; Gattung Vitis
Wuchs: Mit Sprossranken kletternder Strauch, Zuwachs pro Jahr 1 bis 1,5 m
Blätter: Oberseite dunkelgrüngrün, Unterseite grauweiß wollig-filzig
Blüte: weiß / zwittrig, daher selbstbefruchtend
Standort/Boden: Sonne / durchlässiger sandig-lehmiger Boden, keine Staunässe!
Lebenszyklus: mehrjährig, sehr gut winterhart
Fruchtreife: Mitte September
Wurzelsystem: Tiefwurzler
Hinweis: Bekannteste Direktträger-Sorte. In der Türkei werden die Blätter für die bekannten ,Gefüllten Weinblätter’ verwendet. In Norditalien wird aus den Trauben ein intensiv nach Erdbeeren schmeckender Wein mit dem Namen ,Fragolino’ gekeltert.

 

 

Mein Freund Fritzi

Ich war vier und tobte durch das Paradies meiner Kindheit, den Garten meiner Großmutter. Eine stachelige Kugel stoppte mich – ich machte Bekanntschaft mit meinem ersten Igel, einem Lebewesen, das ich bis dahin nur aus Bilderbüchern kannte. Und neben dem Igel sah ich auf der Wiese einen dunklen Fleck. War das etwa Blut?

Aufgeregt rannte ich zu meiner Großmutter, die mit mir in den Garten lief und meine Befürchtung bestätigte, dass der Igel verletzt war und blutete. Sofort wurden „Erste Hilfe-Maßnahmen“ eingeleitet. Ich durfte dem Igel ein kleines Schüsserl mit Wasser bringen und meine Großmutter kochte ein Ei, das ich der ,Stachelkugel’ servieren durfte. Aber trotz des Leckerbissens und der kühlen Erfrischung blieb der Kopf meines Freundes Fritzi, wie ich ihn inzwischen „getauft“ hatte, unsichtbar.

Am nächsten Morgen war allerdings das Ei verschwunden, das Wasserschüsserl leer und Fritzi einige Meter weiter in Kugelstellung eingerollt. Meine Oma und ich wiederholten die „Wasser-Eier-Kur“ und mehrmals besuchte ich Fritzi während des Tages, um zu sehen, ob er sich stärkte. Aber er blieb tagsüber eine stachelige Kugel und gab seine Abwehrstellung anscheinend immer erst während der Nachtstunden auf, um zu trinken, zu fressen und einige Meter weiter durch den Garten zu marschieren. Wir setzten noch einige Tage unser ,Menü’ fort und ich betreute Fritzi während dieser Zeit durch Geschichten, die ich ihm erzählte, um ihm so das Gefühl zu geben, dass er nicht alleine war. Vermutlich wäre er dies allerdings gerne gewesen.

Und eines Morgens war Fritzi nicht mehr da. Meine Großmutter erzählte mir, dass sie ihn am frühen Morgen gesehen hatte, wie er putzmunter durch den Garten lief und anscheinend wieder ganz gesund war.

Igel lieben Wildnis

Ich freue mich jedenfalls seit meinen Kindheitstagen, wenn ich einen Igel im Garten sehe, da ich dann immer an meine Großmutter und unsere gemeinsame ,Rettungsaktion’ denke.
Deshalb bleibt im Herbst und Winter ein Teil meines Gartens ganz bewusst ein Stück Wildnis mit kleinen Laubhaufen und von den Bäumen gefallenen Reisigzweigen, damit sich Igel darunter zurückziehen und in Ruhe überwintern können. Außerdem achte ich darauf, dass kleine Schlupflöcher zu den Nachbargärten offen bleiben, damit die stacheligen Wildtiere, die Igel nun einmal sind, sich frei bewegen können, ohne sich im Maschendrahtzaun oder dergleichen zu verfangen.

Wasser ja – Milch nein

Meine Oma hat es gewusst: Wasser ist das richtige Getränk für Igel und nicht – wie oft angenommen wird – Milch. Denn Igel vertragen Milcheiweiß nicht und bekommen dadurch Durchfall. Als zusätzliche Stärkung freuen sich Igel über gekochte Eier oder Katzen-Trockenfutter.

Hilfe für Igel

Beratung und Hilfe für verletzte oder besonders schwache (Jung-)Igel findet ihr beim Wildtierservice Wien täglich (auch am Wochenende und an Feiertagen) unter der Telefonnummer 01/4000-49090 oder rund um die Uhr in Niederösterreich bei der Tierschutz-Hotline 0800/000 134.

 

 

Duft statt Dessert

Rechtzeitig vor Beginn der Bikini-Saison will ich noch etwas für meine Figur tun. Deshalb ist in den nächsten zwei Wochen das Dessert gestrichen. Stattdessen werde ich regelmäßig und intensiv an meiner Pflanzen-Neuerwerbung, einer herrlich dunkelrot-schwärzlich blühenden Schokoladen-Kosmee (Cosmos atrosanguineus), riechen.

Zartbitter-Schokolade

Der Geruch ihrer nach Zartbitter-Schokolade duftenden Blüten ersetzt für die nächste Zeit die von mir heiß geliebte ,Mousse au chocolat‘ als Sonntagsdessert.

Die ursprünglich aus Mexiko stammende Schokoladen-Kosmee wird 40-60 cm hoch, liebt einen sonnigen Standort mit durchlässigem Boden, blüht – je nach Witterung – von Juni bis Oktober und begnügt sich mit wenig Wasser.

Schmetterlinge & Bienen

Ihr süßer Duft entfaltet sich ganz besonders in den Nachmittagsstunden heißer Sommertage und lockt nicht nur mich, sondern auch zahlreiche Bienen und Schmetterlinge an.

Manchmal wird die Schokoladen-Kosmee mit der ,echten Schokoladenblume‘ (Berlandiera lyrata) verwechselt, die gelbe Blüten hat und deren Duft an Vollmilchschokolade erinnert. Sie zählt ebenfalls zur Familie der Korbblütler, ist allerdings in Mitteleuropa wenig verbreitet.

Terrasse & Balkon

Nächstes Jahr werde ich – so mein Plan – zusätzlich eine Schokoladen-Kosmee im Tontopf auf meiner Terrasse ziehen. Dann kann ich vor dem Schlafengehen als ,Betthupferl‘ noch schnell an meiner ,süßen‘ Blume mit der Nase ,naschen‘ und komme nicht in Versuchung, meine Hand in die Pralinenschachtel zu stecken.
Und außerdem soll die Schokoladen-Kosmee nicht nur im Beet, sondern auch als Kübelpflanze ,eine gute Figur‘ machen. Und die ,bella figura‘ habe ich dann hoffentlich mit ihr gemeinsam …

 

Gärtnerische Daten:

Name: Schokoladen-Kosmee – Cosmos atrosanguineus
Blüte: schwärzlich-blutrot / Juni – Oktober
Standort / Boden: sonnig /durchlässig-frisch
Giftigkeit: nein
Lebenszyklus: mehrjährig, aber nicht winterhart. Die Knolle ist frostempfindlich.
Sie muss im Herbst aus dem Boden genommen und kühl gelagert werden. Im nächsten Frühjahr kann sie wieder ausgepflanzt werden. 

 

Mauritius am Balkon

Niemals werde ich den intensiven Duft nach Vanille vergessen, der mich umfangen hat, sobald ich den Flughafen von Mauritius betreten habe. Ich fühlte mich wie im Paradies.

Und da es in der letzten Zeit nicht ganz so einfach war, in die Ferne zu reisen, habe ich mir Mauritius nach Hause auf den Balkon geholt.
Die Vanilleblume (Heliotropium arborescens) ist mein ganz persönliches exotisches Inselreich, denn ihre violetten Blüten verströmen vor allem in den Abendstunden und bei höherer Luftfeuchtigkeit einen verführerischen Duft nach Vanille. So kann ich mich, wenn ich die Augen schließe und an den kleinen Blütenständen (die lange Blütezeit reicht von Mai bis September) rieche, innerhalb von Sekunden an meinen Lieblingsort auf der Insel im Indischen Ozean versetzen und für einige Augenblicke einen Kurzurlaub genießen.

Ideale Topfpflanze

Die Vanilleblume ist nicht winterhart und deshalb die ideale Topfpflanze. Sie liebt die Sonne und fühlt sich am wohlsten an einem sonnigen, wind- und regengeschützten Platz auf dem Balkon oder der Terrasse. Und sie dreht ihre Blätter mit dem Sonnenstand , ein Umstand, der ihr den Beinamen „Sonnenwende“ eingetragen hat.

Sonnenhungrige Diva

Die Pflege der sonnenhungrigen Vanilleblume ist allerdings etwas aufwändig, da sie wie eine echte Diva, die eine oder andere Allüre hat. So verträgt sie weder längere Trockenperioden noch Staunässe gut. Ich gieße meine Pflanzendiva einmal täglich und gönne ihr einmal monatlich etwas Flüssigdünger.

Bienen und Schmetterlinge fühlen sich von der Vanilleblume magisch angezogen. Bei Haustieren ist Vorsicht angebracht, da alle Pflanzenteile der Vanilleblume giftig sind.

 

Gärtnerische Daten:

Name: Vanilleblume – Heliotropium arborescens
Wuchs: aufrecht, dich, buschig, wird bis etwa 60 cm hoch
Blüte: Mai bis Oktober; blau, blauviolett oder weiß – je nach Sorte, Vanilleduft
Standort / Boden: Sonne bis Halbschatten / sandig bis lehmig, nährstoffreich, mittlerer Wasserbedarf
Lebenszyklus: mehrjährig, aber NICHT winterhart
Giftigkeit: giftig

 

Frisches Grün für den Eistee

Dieses Fest hatte Tradition: Am ersten Wochenende der Sommerferien wurde im Garten meiner Freundin gefeiert. Die Eltern grillten und meine Freundin und ich mixten köstlich-kühle Eistees …

Von Jahr zu Jahr wurden wir mutiger bei der Auswahl der Zutaten und kreativer bei der Kombination. Und so lernte ich eines Tages die mir damals noch völlig unbekannte Zitronenverbene kennen, die die Mutter meiner Freundin in einem Topf gezogen hatte.

,Louisenkraut‘ aus Südamerika

Zitronenverbene (Aloysia citrodora) – nach der Ehefrau des spanischen Königs Karl IV auch ‚Louisenkraut‘ genannt – stammt ursprünglich aus Südamerika und wurde Ende des 18. Jahrhunderts von spanischen Seefahrern nach Europa gebracht.

 

Zitronenverbene liebt die Sonne und Wärme und muss in unseren Breiten an einem frostgeschützen Ort überwintern.

Liebt die Sonne

Zitronenverbene zählt zur Familie der Eisenkrautgewächse, ist frostempfindlich und wird deshalb am besten in einem Topf (so kann man sie zum Überwintern in den Keller stellen) mit durchlässiger Erde kultiviert. Zitronenverbene liebt die Sonne und fühlt sich am wohlsten an einem warmen, geschützten Platz an der Hauswand.

Die Blätter duften und schmecken – vor allem, wenn man sie zerreibt – intensiv nach Zitrone,
ihre Inhaltsstoffe sollen beruhigend wirken, aber gleichzeitig den Stoffwechsel anregen.

Limoncello für den speziellen ,Kick‘

Angeregt waren wir durch das neue frische ,Grün‘ auch bei der Kreation unseres neuen Eistees, den wir so zubereiteten:
Wasser aufkochen und Schwarztee nur kurz darin ziehen lassen. Braunen Rohrzucker im Tee auflösen, einige Blätter Zitronenverbene, Zitronensaft, Zitronenscheiben und ein Stück Zitronenschale (unbehandelt) dazugeben und einige Stunden kalt stellen. Gut gekühlt mit Eiswürfeln in Gläser füllen.
Den speziellen ,Kick‘ bekam unser Eistee dann übrigens noch durch einen heimlich beigefügten kräftigen Schuss Limoncello …

Zitronenmelisse für das Herz …

Einer unserer ,Dauerbrenner‘ war Früchte-Eistee mit Zitronenmelisse, den wir jedes Jahr etwas abwandelten, aber Fixpunkt war dabei immer Melisse (Melissa officinalis).
Sie stammt ursprünglich aus dem Orient und wurde seit dem Mittelalter vor allem wegen ihrer Heilkraft in allen Klostergärten angepflanzt. So galt sie als ,beste Pflanze für das Herz‘ und als nervenstärkend.

 

Zitronenmelisse ist winterhart und wächst am besten an einem sonnigen Standort mit durchlässigem Boden. Ihre Blätter duften angenehm frisch nach Zitrone.

… und für den Tee

Dieses spezielle Zitronenaroma liebe ich auch heute noch in einem selbst zubereiteten Eistee:
Dafür Früchtetee (z.B. Beeren- oder Granatapfeltee) etwas süßen, Zitronenmelisse und Zitronensaft dazugeben und kalt stellen.

Wir haben den Tee damals zusätzlich noch mit einigen frischen Früchten (z.B. Ananasstücken oder Melonenkugeln) ,aufgepeppt‘.
Und ich kann mir auch vorstellen, dass ein Stamperl Cointreau oder Grand Marnier hervorragend dazu passt …