Richtig gießen: Dusche oder Badewanne?

von | 2. Juli 2021 | Aktuelles, Allgemein, Duftgarten, Gartentechnik, Gartentipps | 0 Kommentare

Nemecek gegen Wondracek – das war Brutalität. Richtig gießen: Darüber konnten sich die zwei betagten Nachbarinnen des Vorstadtzinshauses lautstark in die Haare kriegen.

Während die eine darauf schwor, dass man die Rosenstöcke im kleinen gemeinsamen Garten des Hauses nur von ,unten‘ gießen dürfe, brachte die andere ihre Meinung, dass ja auch Regen von ,oben‘ käme und deshalb diese Art des Bewässerns für fast alle Pflanzen die einzig richtige sei, lautstark zum Ausdruck.

Hauptaufgabe Gießen

Gießen gehört zu einer der wichtigsten Aufgaben im Garten, da Wasser außer einem nährstoffreichen Boden und Sonne zu den Grundbedürfnissen von Pflanzen zählt.
Wie man am besten gießt und wie oft – darüber gibt es unter Gartenbesitzern auch heute noch immer wieder Diskussionen.

Die Häufigkeit des Gießens hängt in erster Linie vom Wetter (regnet es häufig oder herrscht Trockenheit), Jahreszeit, Temperatur, Beschaffenheit des Bodens, Sonneneinstrahlung und Pflanzenart ab. Bei Topfpflanzen ist außerdem noch die Größe des Topfes ausschlaggebend für die benötigte Wassermenge. Denn ein kleiner Topf erwärmt sich schneller als ein großer und dadurch ist auch die Verdunstung höher.
Und auch das Material des Topfes hat große Bedeutung: Aus Terracotta-Töpfen, die unglasiert sind, verdunstet mehr Wasser als von glasierten Töpfen oder Kunststoff-Gefäßen.

 

Aus unglasierten Terracotta-Töpfen verdunstet viel Wasser (man kann dies sehr gut an den weißen Flecken sehen, die sich aus den Kalkrückständen des Gießwassers bilden).

Topfpflanzen öfter gießen als Beetpflanzen

Generell kann man sagen, dass Topfpflanzen öfter als Beetpflanzen gegossen werden müssen, da sie nur einen kleinen Raum ,durchwurzeln‘ und dadurch Wasser aufnehmen können.

Wasseraufnahme über die Wurzel

Und hier sind wir beim eingangs erwähnten Streitpunkt:
Die Wasseraufnahme erfolgt bei fast allen Pflanzen über die Wurzel. Gegossen wird deshalb am besten, indem man das Wasser gleichmäßig am Wurzelstock der Pflanze verteilt und dadurch den gesamten Wurzelballen wässert – also von ,unten‘ gießt. Werden Pflanzen von ,oben‘ gegossen, kann die Feuchtigkeit auf den Blättern Pilzerkrankungen hervorrufen. Im Zweifelsfall gilt daher: Keine ,Dusche‘.
Besonders für Duftpflanzen gilt: Nach Möglichkeit nie von oben mit Sprinklern (Beregnungsgeräten) gießen (siehe Bild ganz oben), da dadurch ein Großteil des Duftes und der Blütenpracht verloren gehen!

So mögen es die meisten Pflanzen: Bewässerung an der Wurzel – egal, ob mit Gießkanne, Schlauch oder Bewässerungsanlage.
.

Früh am Morgen gießen

Am besten gießt man in den frühen Morgenstunden. In der Früh ist es kühler als tagsüber und die Verdunstung geringer. Beim Gießen in der prallen Sonne können außerdem durch Wassertropfen, die auf die Blätter gelangen, die Blätter ,verbrennen‘, da die Wassertropfen wie ,Brenngläser‘ wirken. Und durch Gießen in den Abendstunden können eine eventuelle Schneckenplage und auch Pilzbefall (wie z.B. ,Rosenrost’ oder ,Sternrußtau’) begünstigt werden.

Nicht täglich, aber intensiv

Als Faustregel gilt auch: Je größer und dünner die Blätter einer Pflanze, umso höher der Wasserbedarf.
Gießen sollte man nicht täglich, dann aber intensiv: Das Wasser soll möglichst tief in den Boden eindringen und auf diese Weise eine ,Badewannenwirkung‘ erreicht werden. Die Pflanzen werden auf diese Weise dazu ,erzogen‘, tiefer zu wurzeln und sich über mehrere Tage hinweg das benötigte Wasser aus der ,Feuchtwanne‘ zu holen. Sie können sich so auch bei Hitzeperioden besser mit Wasser versorgen.
Gießt man nämlich täglich, aber nur wenig, verdunstet viel Gießwasser und die Pflanzen wurzeln nur oberflächlich und können bald keine Feuchtigkeit mehr aus der ausgetrockneten Bodenoberfläche holen.
Allerdings müssen frisch eingesetzte Pflanzen, die noch über kurze Wurzeln verfügen, häufiger gegossen werden – bis sie sich richtig ,eingewurzelt‘ haben und kräftig genug sind, sich das Wasser aus tieferen Erdschichten zu holen.

Achtung vor Staunässe!

Wichtig bei Pflanztöpfen ist, dass sie intakte Abflusslöcher haben, aus denen überschüssiges Wasser abrinnen kann. Daher sollte man – bis auf wenige Ausnahmen – keine Untersetzer verwenden, in denen Wasser steht, da dies zu Staunässe und eventuell zu Wurzelfäule führen kann. Besser sind Untersetzer-Platten, von denen überschüssiges Gieß- oder Regenwasser abrinnen kann. Eine der wenigen Ausnahmen von dieser Regel sind Oleander, die gerne ,nasse Füße‘ haben …

 

 

Möchtest du von uns informiert werden, wenn wir neue Beiträge mit aktuellen Garten-Tipps oder eine Reportage veröffentlichen?
Dann freuen wir uns, wenn wir dich einfach per Mail informieren dürfen.
Melde dich ganz einfach hier an (du kannst dich genauso einfach wieder abmelden):

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.